Im Inneren befanden sich Dutzende von Umschlägen, jeder einzelne sorgfältig versiegelt und mit dem Namen meines Sohnes auf der Vorderseite versehen.
„Jedes Jahr an seinem Geburtstag“, erklärte sie leise, „ging Sam zu demselben stillen Hügel und schrieb ihm. Er ließ es nie jemanden sehen, aber so trauerte er, so hielt er die Verbindung aufrecht. Er trug diesen Schmerz all die Jahre still mit sich herum.“
Ich saß lange da, hielt die Briefe in den Händen und konnte nicht glauben, was ich sah.
Nach und nach begann ich zu lesen.
Sie waren erfüllt von Erinnerungen an unseren Jungen – sein Lachen, seine Träume, sein Lächeln.
Manche Briefe waren Entschuldigungen für Momente, die Sam gerne ungeschehen machen würde, andere waren einfach nur Erinnerungen an die Liebe.
Jahrelang hatte ich gedacht, Sam sei kalt und unberührt von unserem Verlust. Ich glaubte, sein Schweigen sei Gleichgültigkeit.
Doch nun, durch diese Seiten hindurch, erkannte ich die Wahrheit: Er hatte auf seine Weise getrauert, still und treu.
Tränen rannen mir über das Gesicht.
Sie waren nicht nur für meinen Sohn, sondern auch für Sam – für den Mann, der seine Trauer allein trug, weil er nicht wusste, wie er sie teilen sollte.
Die Lehre daraus – Trauer hat viele Gesichter. Manche weinen offen, manche wenden sich Worten zu, und manche verschließen ihr Herz.
Nur weil jemand seinen Schmerz nicht so ausdrückt, wie wir es erwarten, heißt das nicht, dass er ihn nicht tief empfindet.
Verständnis, nicht Verurteilung, heilt wirklich.
