Ich ließ eine Mutter und ihr Baby zwei Tage vor Weihnachten bei mir übernachten

Sie stand an einer Bushaltestelle, halb geschützt unter dem kleinen Plastikvordach.

Eine Frau, die ein Baby fest an ihre Brust drückt.

Sie lief nicht auf und ab.
Sie schaute nicht auf ihr Handy.

Sie stand einfach nur da. Völlig still.

Der Wind war gnadenlos – von der Sorte, die einem durch Mäntel und Knochen hindurchschneidet.

Das Baby war in eine dünne Decke gewickelt, die Wangen rot vor Kälte. Eine winzige Hand lugte hervor, die Finger steif und gekrümmt.

Mir schnürte es die Brust zu.

Ich fuhr an ihr vorbei.

Für vielleicht fünf Sekunden.

Da gingen in meinem Kopf gleichzeitig alle Warnsignale los.

Die ganzen Vorträge über Fremde.
Die ständigen Erinnerungen daran, dass ich jetzt Mutter bin – dass ich nicht leichtsinnig sein darf.

Und darunter, in einem ruhigeren Gedanken:

Was wäre, wenn ich das wäre?
Was wäre, wenn das mein Kind wäre?

Ich verlangsamte mein Tempo.

Angehalten.

Meine Hände zitterten, als ich das Beifahrerfenster herunterließ.

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