Zwei Tage später.
Weihnachtsmorgen.
Die Mädchen waren endlich wieder zu Hause.
Sie trugen ihre Pyjamas, ihre Haare standen überall ab, und sie vibrierten förmlich um den Baum herum.
„Können wir sie jetzt öffnen? Bitte?“, bettelte meine Fünfjährige.
„Schere, Stein, Papier“, sagte ich. „Wer gewinnt, fängt an. Das sind die Regeln.“
Sie spielten.
Die Kleine hat gewonnen und einen Siegestanz aufgeführt, der wie interpretatives Karate aussah.
Sie griff gerade nach dem ersten Geschenk, als es an der Tür klingelte.
Wir erstarrten alle.
„Der Weihnachtsmann?“, flüsterte sie.
Mein siebenjähriger Sohn spottete.
„Der Weihnachtsmann klingelt nicht an Haustüren“, sagte sie. „Benutz dein Gehirn.“
„Vielleicht hat er etwas vergessen“, sagte der Kleine.
Ich lachte.
„Ich hole es.“
Ein Kurier stand auf der Veranda, die Wangen vom Frost gerötet, und hielt einen großen Karton in den Händen, der in glänzendes Weihnachtspapier eingewickelt war.
Große rote Schleife.
„Lieferung für Sie“, sagte er und neigte das Handy, damit ich das Preisschild sehen konnte.
Mein Name war in sauberer Handschrift darauf geschrieben.
Kein Absender angegeben.
Ich unterschrieb, bedankte mich und trug die Schachtel in die Küche.
Die Mädchen lungerten wie neugierige kleine Kätzchen im Türrahmen herum.
„Ist es für uns?“, fragte mein jüngeres Kind.
„Ich bin mir nicht sicher“, sagte ich. „Lassen Sie mich erst einmal nachsehen.“
Mein Herz raste, und ich wusste nicht warum.
Ich habe das Geschenkpapier abgezogen.
Darunter befand sich ein gewöhnlicher Pappkarton.
Ich öffnete die Klappen.
Obenauf lag ein gefalteter Brief.
Die erste Zeile traf mich wie ein Faustschlag.
„Lieber, freundlicher Fremder.“
„Mama?“, fragte meine ältere Tochter. „Warum machst du so ein Gesicht?“
Mir war gar nicht aufgefallen, dass meine Hände zitterten.
Ich schluckte und begann zu lesen.
Es war von Laura.
