Ich wurde diagnostiziert, bevor du gegangen bist.“

Sie reagierte nicht sofort. Sie musterte nur mein Gesicht, als suche sie nach einem Anzeichen von Zögern.

„Du hast dich ja schon entschieden“, sagte sie leise, „nicht wahr?“

Ich nickte, denn in diesem Moment glaubte ich, dass Ehrlichkeit dasselbe sei wie Mut.

Sie brach nicht zusammen und stritt nicht. Sie packte einfach noch am selben Abend einen Koffer, faltete ihre Kleidung sorgfältig zusammen und verließ unsere Wohnung mit einer stillen Anmut, die mir bis heute in Erinnerung geblieben ist.

Die Scheidung ging schnell vonstatten – reibungslos, effizient, fast klinisch. Als sie vorbei war, redete ich mir ein, dass wir vernünftig gehandelt hatten, dass Liebe manchmal endet, ohne dass jemand der Bösewicht ist, und dass Loslassen der beste Weg nach vorn war.

Als ich zwei Monate später in diesem Krankenhausflur stand, begriff ich endlich, wie sehr ich mich geirrt hatte.

Sie wirkte zerbrechlich, ihr Haar kurz geschnitten, so wie sie es früher nie gewählt hätte. Ihre Schultern waren nach innen gewölbt, als trüge sie eine Last, die niemand sehen konnte.

Ich ging auf sie zu, meine Beine waren taub und fühlten sich kaum noch wie meine eigenen an.

„Serena?“

Sie blickte auf, Überraschung flackerte auf, bevor Erkenntnis ihren Gesichtsausdruck milderte

„Adrian?“

Ihre Stimme war jetzt leiser.

„Was machst du hier?“

Sie wandte den Blick ab und verschränkte die Finger ineinander.

„Ich warte nur.“

Ich setzte mich neben sie und bemerkte den Infusionsständer, das Krankenhausarmband an ihrem Handgelenk, das leichte Zittern in ihren Händen

„Worauf wartest du?“

Sie zögerte, dann atmete sie aus, als hätte sie nicht mehr die Kraft, irgendetwas zu verbergen

„Meine Testergebnisse.“

Etwas in mir zerbrach.

„Was ist los?“

Als sie schließlich sprach, war ihr Tonfall vorsichtig und beherrscht – als wolle sie die Wahrheit etwas erträglicher machen.

„Bei mir wurde Eierstockkrebs im Frühstadium diagnostiziert.“

Die Welt verengte sich zu einem einzigen, erdrückenden Punkt.

„Wann?“

„Bevor wir uns scheiden ließen.“

Die Schwere der Aussage lastete schwer auf mir wie ein gesprochenes Urteil

„Warum hast du es mir nicht gesagt?“

Sie schenkte ihm ein kleines, trauriges Lächeln.

„Weil Sie ja bereits im Begriff waren zu gehen.“

Diese Wahrheit schmerzte mehr als jede Anschuldigung es je könnte.

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