Wir kehrten gemeinsam zum Empfang zurück. Papa entdeckte uns sofort und lächelte erleichtert.
„Da haben wir’s ja. Ich hatte mir schon Sorgen gemacht.“
„Wir müssen reden“, sagte ich.
Sein Lächeln erlosch. „Kann es warten?“
“NEIN.”
Die Gespräche in der Nähe verstummten. Laura erstarrte.
Mein Bruder trat vor. „Mama wusste Bescheid. Über alles.“
„Was wusstest du?“, fragte Papa.
Ich hob den Umschlag an. „Sie wusste von dir und ihrer Schwester. Sie wusste von dem Kind. Und sie wusste, warum du geblieben bist.“
Laura flüsterte seinen Namen.
“Stoppen.”
Papa lachte kurz auf. „Da irrst du dich.“
„Nein“, sagte ich ruhig. „Doch, bist du.“
Robert fuhr fort: „Sie hat das Testament geändert. Alles geht an uns. Du bekommst nichts.“
Dem Vater wich die Farbe aus dem Gesicht. „Das ist unmöglich.“
„Nein“, antwortete ich. „Das ist bereits geschehen.“
Laura wandte sich von ihm ab. „Du hast gesagt, es sei erledigt.“
Ich sah sie beide an. „Diese Hochzeit hat eure Zukunft nicht gesichert. Sie hat die Wahrheit ans Licht gebracht.“
Wir gingen, ohne uns zu verabschieden.
Monate später verließ auch Laura ihn. Liebe, so zeigt sich, verschwindet schnell, wenn es nichts mehr zu erben gibt.
Mama hatte Recht. Sie hat nicht gekämpft, während sie im Sterben lag. Sie hat gewonnen – still und leise.
