Mein Vater schenkte meiner Schwester mein Haus an ihrem Hochzeitstag.

Ich wachte im Krankenhaus auf, mein Kopf war bandagiert und mein Handy explodierte förmlich vor Benachrichtigungen. Meine Freundin Natalia erklärte mir als Erste: Das Video war viral gegangen. Nachrichten, Kommentare und Fragen von Fremden strömten herein.

Der Arzt sagte, ich hätte eine leichte Gehirnerschütterung und bräuchte mehrere Stiche. Aber die tiefere Wunde – dafür gab es keinen Namen.

Mein Vater wurde noch in derselben Nacht verhaftet. Die Beweise waren erdrückend. Millionen hatten es gesehen.

Meine Mutter hat mich nie besucht.

Isabel tat es – sie weinte und wiederholte immer wieder, dass sie das Haus nie so haben wollte. Ich konnte nichts erwidern. Der Schaden ging weit über den Sachschaden hinaus.

In den darauffolgenden Tagen diskutierten Anwälte, Journalisten und Fremde über mein Leben. Manche nannten mich mutig. Andere warfen mir Übertreibung vor. Ich ließ meine Kindheit Revue passieren und erkannte Muster, die ich einst für normal gehalten hatte.

Mir wurde in diesem Moment klar: Die Gewalt hatte nicht an diesem Tag begonnen. Sie wurde lediglich an diesem Tag öffentlich.

Ich habe mich dazu entschlossen, Anzeige gegen meinen Vater zu erstatten, wohl wissend, dass dies den Rest unserer Familie zerstören würde.

Ich wähle mich selbst

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