„Papa… Bitte… Komm schnell nach Hause. Mir ist so kalt… Sie lässt mich nicht anziehen.“ – Ein gestresster Vater kommt nach Hause und findet seine Tochter zitternd und durchnässt vor.
Die Nacht, in der er zu spät nach Hause kam
Die Voicemail kam an, während der Applaus noch im Ballsaal nachhallte.
„Papa… bitte… komm schnell nach Hause. Mir ist so kalt… und Melissa lässt mich meine Kleidung nicht wechseln…“
Die Stimme war dünn, zitternd, unterbrochen von leisen Schluchzern.
Ethan Cole erstarrte im Teppichflur eines Hotels in der Innenstadt von Seattle, das Handy fest ans Ohr gepresst. Nur wenige Minuten zuvor hatten ihm Investoren die Hand geschüttelt und ihm zum Abschluss einer wichtigen Technologiepartnerschaft gratuliert, die sein Cybersicherheitsunternehmen auf ein neues Niveau heben würde. Der Raum hinter ihm duftete nach poliertem Holz, Kaffee und stiller Feierlaune.
Draußen hing der Novemberregen über der Stadt; er fiel nicht heftig, sondern nur stetig genug, um bis in die Knochen und die Stimmung gleichermaßen zu dringen.
Es war 18:12 Uhr. Die Temperatur betrug 44 Grad.
Ethan bemerkte es kaum.
Er starrte auf den Bildschirm seines Handys. Fünf verpasste Anrufe. Fünf Sprachnachrichten. Alle von seiner achtjährigen Tochter.
Während er ging, fast rannte, hörte er sich die zweite Nachricht an.
„Sie hat mich reingelassen… aber sie sagte, ich müsse so bleiben. Ich bin ganz nass. Sie ließ mich auf der Couch sitzen… und dann ging sie ins Bett…“
Etwas Enges zerbrach in seiner Brust.
Bei der dritten Nachricht konnte Ethan nicht mehr laufen.
Er sprintete.
„Papa… ich sitze schon lange hier… meine Zähne tun weh… meine Hände hören nicht auf zu zittern… sie hat gesagt, wenn ich mich bewege, wird es schlimmer…“
Die vierte Nachricht bestand größtenteils aus Weinen. Abgebrochenen Worten. Entschuldigungen, die für ein Kind völlig sinnlos waren.
Die fünfte Nachricht ließ seine Sicht verschwimmen.
„Papa… ich bin müde… ich habe Angst einzuschlafen… meine Lehrerin hat gesagt, wenn einem zu kalt wird… wachen manche Leute nicht mehr auf…“
Ethan konnte sich nicht erinnern, das Hotel verlassen zu haben.
Er erinnerte sich nur noch daran, wie ihm der Parkservice die Schlüssel zu seiner schwarzen Limousine überreichte und die Lichter der Stadt an ihm vorbeizischten, während er viel schneller fuhr, als er es sich jemals erlaubt hatte.
Er rief seine Frau an.
Einmal. Zweimal. Dreimal.
Keine Antwort.
Er hinterließ eine Nachricht, seine Stimme war so beherrscht, dass es selbst ihn erschreckte.
„Melissa, ich bin unterwegs. Du hast etwa fünfzehn Minuten Zeit, um zu erklären, warum meine Tochter klatschnass und verängstigt ist. Überleg es dir gut.“
