Mein Mann hat die Scheidung eingereicht, als ob er eine Klage einreichen würde.

Kein Gespräch. Keine Therapie. Nur ein Umschlag, der in mein Büro geliefert wurde, mit den Dokumenten darin und einem Haftzettel darauf: „Bitte machen Sie es mir nicht schwer.“

Das war typisch Caleb, immer höflich, wenn er eigentlich grausam sein wollte.

Er strebte außerdem das alleinige Sorgerecht für unsere zehnjährige Tochter Harper an.

Vor Gericht bezeichnete er mich als „instabil“, „finanziell unverantwortlich“ und „emotional labil“.

Er inszenierte sich als ruhiger, organisierter und verlässlicher Vater. Mit seinem tadellosen Anzug und seiner sanften Stimme wirkte er überzeugend. Und die Leute glaubten ihm.

Im Gerichtssaal hielt er meinen Blick nur zwei Sekunden lang fest, bevor er wegsah, als wäre ich ein beschämendes Objekt, das er bereits weggeworfen hatte.

Harper saß am ersten Tag der Anhörung neben mir und meinem Anwalt.

Ihre Füße berührten den Boden nicht.

Ihre Hände lagen gefaltet in ihrem Schoß.

Diese sorgfältige Haltung hat mir das Herz gebrochen.

Ich wollte sie nicht dabei haben, aber Caleb bestand darauf. Er sagte, sie würde dem Richter helfen, „die Realität zu erkennen“.

Offenbar sah die Realität so aus, dass ein kleines Mädchen mitansehen musste, wie sich ihre Eltern gegenseitig zerstörten.

Calebs Anwalt ergriff als Erster das Wort.

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