„Bei mir“, antwortete sie. „Das ist alles, was zählt.“
Gleich am ersten Abend machte sie Pfannkuchen zum Abendessen.
Abblätternde Tapeten. Überall Bücherstapel. Der Duft von Zimt, altem Papier und Waschmittel hing überall.
Der Boden knarrte an genau drei Stellen.
„Pfannkuchen gibt es nur für Notfälle“, sagte sie und wendete einen kläglich. „Und das hier zählt definitiv dazu.“
Ich lachte, obwohl mir der Hals weh tat.
So fing alles an.
Das Leben bei Oma war bescheiden und erfüllt.
Vormittags arbeitete sie im Waschsalon. Abends putzte sie Büros.
An den Wochenenden flickte sie Kleidung am Küchentisch, während ich Hausaufgaben machte.
Ihre Pullover waren an den Ellbogen schon ganz dünn. Ihre Schuhe wurden eher von Klebeband als von Gummi zusammengehalten.
Im Laden kontrollierte sie jedes Preisschild und legte manchmal Artikel stillschweigend zurück.
Aber mir fehlte es nie an dem, was wirklich zählte.
Geburtstagstorten mit meinem Namen, sorgfältig darauf geschrieben.
Geld für Schulfotos in Umschlägen.
Jedes Schuljahr neue Hefte.
In der Kirche lächelten die Leute und flüsterten: „Die beiden sind wie Mutter und Tochter.“
„Sie ist mein Mädchen“, sagte Oma immer. „Das genügt.“
Wir hatten unsere Routinen.
Sonntags-Tee, viel zu süß.
Kartenspiele, bei denen sie plötzlich die Regeln vergaß, sobald ich zu verlieren begann.
Bibliotheksbesuche, bei denen sie vorgab, zu stöbern, und mir dann in die Kinderabteilung folgte.
Nachts las sie mir noch vor, obwohl ich schon selbst lesen konnte.
Manchmal schlief sie mitten im Lesen ein.
Dann markierte ich die Stelle und deckte sie mit einer Decke zu.
„Die Rollen sind vertauscht“, flüsterte ich.
